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Interoperabilität im Systems Engineering: Die 4 Projektcluster der Prostep ivip

Interoperabilität im Systems Engineering: Die 4 Projektcluster des Prostep ivip

Der Prostep ivip ist ein gemeinnütziger Verein, der als unabhängige Plattform Standards und Best Practices für die Digitalisierung fördert. Prostep hat eine beachtliche Anzahl von laufenden Projekten zur CAD, Systems Engineering, PLM und verwandten Themen, die primär Kunden in Automobil- und Luftfahrtindustrie unterstützen. Diese sind in vier Projektcluster organisiert.

Ich selbst war für mehrere Jahre dort in der Arbeitsgruppe für die ReqIF-Standardisierung tätig. Im folgenden ein kurzer Überblick über die Arbeiten und Ergebnisse aus dem Prostep Jahresbericht des letzten Jahres.

Der Prostep ivip Verein

Prostep gliedert sich in zwei Bereiche: den kommerziellen Unternehmenszweig und den Prostep ivip Verein. Der kommerzielle Arm bietet Softwarelösungen und Beratungsdienstleistungen im Bereich Produktlebenszyklusmanagement (PLM) an. Dieser Bereich fokussiert sich auf die Optimierung von Produktentwicklungsprozessen und die Integration von IT-Systemen in verschiedenen Industrien wie der Automobil- und Luftfahrtindustrie.

Der Prostep ivip Verein hingegen ist eine unabhängige Organisation, die Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen zusammenbringt, um gemeinsam Standards und Best Practices im Bereich PLM und Digitalisierung zu entwickeln. Der Verein fördert den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern, um Innovationen voranzutreiben und die digitale Transformation in der Industrie zu unterstützen.

Wer mehr über die Aktivitäten des Prostep ivip Vereins wissen möchte, kann sich den 2023 Jahresbericht herunterladen, der auf knapp 70 Seiten ins Detail geht.

Wie Prostep ivip funktioniert

Ich selbst war für viele Jahre Teil der Arbeitsgruppe, die für die Standardisierung des Anforderungsaustauschformats ReqIF zuständig war. Dabei schaffte die Prostep es, die drei Gruppen Anwender, Werkzeughersteller und Dienstleister zu einer friedlichen Zusammenarbeit zu bewegen — nicht immer eine einfache Aufgabe. Prostep versteht es, einen Merwert für alle Beteiligten sicherzustellen und dann die Teilnehmer zu einer fokussierten Zusammenarbeit zu bewegen.

Da Prostep an der Schnittsteller dieser drei Gruppen agiert, befassen sich viele Themen mit Interoperabilität. ReqIF ist da ein gutes Beispiel, da es den verlustfreien Austausch von Anforderungen zwischen OEMs und Lieferanten ermöglicht.

Im Jahr 2023 gab es insgesamt 25 aktive Projektgruppen mit Beteiligung von über 80 Mitgliedsunternehmen, die sich im vergangenen Jahr mit verschiedenen Aspekten der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit beschäftigt haben.

Prostep ivip Jahresbericht

Die vier Projektcluster der Prostep ivip

Die Aktivitäten der Prostep ivip lassen sich in vier Projektcluster organisieren:

  1. Offenheit: Dieser Cluster fördert Offenheit und Integrationsfähigkeit in der PLM- und Engineering-IT, um die digitale Durchgängigkeit in heterogenen Systemlandschaften zu gewährleisten. Dabei geht es um eher strategische Ziele, wie bspw. den Code of PLM Openness (CPO).
  2. Internationale Standardisierung: Dieser Cluster zielt darauf ab, internationale Standards zu etablieren, die die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit verbessern. Durch die Harmonisierung von Anforderungen aus verschiedenen Branchen und die Schaffung einheitlicher Richtlinien wird die Unabhängigkeit der Unternehmen von spezifischen IT-Systemen und Lieferanten gestärkt. Hier finden wir die Standardisierung von ReqIF bei der OMG sowie weitere ISO- und DIN-Standards.
  3. Produktkollaboration: Der Fokus dieses Clusters liegt auf der Verbesserung der Zusammenarbeit in der Produktentwicklung und Produktion. Durch den Einsatz digitaler Werkzeuge und Plattformen wird die Integration von IT-Systemen in der Produktion gefördert, um eine effizientere und flexiblere Produktionsplanung und -durchführung zu ermöglichen. Hier finden wir bspw. spezielle Themen wie Cloud-based Production Collaboration.
  4. Data-Driven Engineering Collaboration: Dieser Cluster fördert die domänen- und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Produktentwicklung durch die Nutzung datengetriebener Ansätze. Er unterstützt die Entwicklung und Implementierung von Standards, die den Austausch und die Integration von Daten in der modellbasierten Entwicklung erleichtern, um den digitalen Zwilling und andere innovative Technologien effektiv zu nutzen. Auch hier taucht ReqIF wieder auf, allerdings im Kontext der Nutzung, nicht der Standardisierung.

SysML und MBSE

Das Thema Model-Based Systems Engineering (MBSE) wird im Rahmen des Clusters „Data-Driven Engineering Collaboration“ behandelt. MBSE wird als zentraler Ansatz für die systematische und modellbasierte Entwicklung komplexer Systeme hervorgehoben. Der Bericht betont die Bedeutung von MBSE in der Verbesserung der Zusammenarbeit über Domänengrenzen hinweg und als Grundlage für den Einsatz digitaler Zwillinge und simulationsgestützter Prozesse. Es wird auch darauf hingewiesen, dass MBSE in verschiedenen Projektgruppen eine wichtige Rolle spielt, insbesondere im Zusammenhang mit der Standardisierung und der Integration von Datenmodellen.

MBSE hat eine unterstützende Rolle, mit SysML als Notation für die Strukturierung, ist aber in keiner Arbeitsgruppe das Hauptthema.

SysML wird insbesondere im Kontext von MBSE und der modellbasierten Entwicklung in Projekten diskutiert. SysML spielt eine wichtige Rolle bei der Definition und Strukturierung von Systemmodellen, die für die Zusammenarbeit und den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Disziplinen und Unternehmen verwendet werden. Der Bericht hebt hervor, dass SysML ein zentraler Bestandteil der technischen Infrastruktur ist, die für die Umsetzung von MBSE benötigt wird. Ob und wie Interoperabilität gewährleistet werden kann, bleibt jedoch offen.

Ein Beitrag zum Bewältigen der Herausforderungen der Automobilindustrie

Gerade die Automobilindustrie steht zur Zeit vor enormen Herausforderungen und sucht Lösungen. Projekte wie Collaborative Digital Twins (CDT) könnten helfen, die agilie Produktentwicklung zu ermöglichen und damit die Innovationskraft und Nachhaltigkeit in der Branche zu fördern.

Allerdings ist die Arbeit der Prostep selbst nicht unbedingt auf die Geschwindigkeiten ausgerichtet, die wir heute brauchen. Es vergehen oft Jahre, bevor die Arbeitsgruppen umsetzbare Ergebnisse liefern. Und selbst dann setzen oft nur eine kleine Anzahl von Unternehmen die Ergebnisse um. Das ist weniger die Schuld der Prostep als ein generelles Problem von großen Unternehmen, die nur schwerfällig die Richtung ändern können.

Fazit

Auch wenn die Prostep ivip relativ langsam agiert, die Arbeitsergebnisse sind oft wertvoll. Auch für Nicht-Mitglieder ist es möglich, von den Arbeitsergebnissen zu profitieren. Und ich empfehle Automobil- und Luftfahrtunternehmen, die Aktivitäten der Prostep-Projektcluster zumindest zu verfolgen.

Bildquelle: 2023 Prostep ivip Jahresbericht

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