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Rückblick 2025 und Trends für 2026: Wer traut sich den Blick in die Kristallkugel?

Rückblick 2025 und Trends für 2026: Wer traut sich den Blick in die Kristallkugel?

Das Jahr geht dem Ende entgegen. Es ist viel passiert, Positives und Negatives. Ich ziehe es vor, bei den positiven Trends zu bleiben: Zum Beispiel finde ich ermutigend, wie viel Bewegung die SysML v2 in die Welt des Systems Engineering gebracht hat. Nicht nur etablierte Hersteller greifen den Standard auf, sondern auch innovative Start-ups, die das Thema MBSE mit neuen Denkansätzen bearbeiten. Vielleicht kommt MBSE 2025 doch schneller in den Mainstream, als ich bisher befürchtet habe?

Das Thema „Geschwindigkeit“ dominierte definitiv dieses Jahr: Sowohl für die Industrie (Stichwort „China-Speed“), als auch für mich persönlich (mein Buchprojekt Product Velocity). Nachdem steigende Komplexität lange Zeit ein Bremser war, entwickelt sich Künstliche Intelligenz zu einem wichtigen Treiber für Geschwindigkeit.

Was gibt es sonst noch im Rückblick 2025 zu berichten und welche Trends zeichnen sich für 2026 ab? Spoiler: Automotive wird nächstes Jahr nicht aus der Krise kommen, ganz im Gegenteil…

Rückblick 2025: SysML v2 auf dem Vormarsch

2025 war für SysML v2 ein wichtiges Jahr: Der Standard ist formal veröffentlicht, die Community wächst und die Zahl der Werkzeuge steigt rasant. Besonders spannend ist die neue Generation leichter, spezialisierter Tools, die nicht aus der klassischen MBSE-Welt kommen und sich dennoch an der SysML v2 orientieren. Diese frische Konkurrenz tut dem Markt gut, denn sie bringt neue Ideen für Kollaboration, Simulation und modellgetriebene Automatisierung.

Die Kehrseite: Konformität ist anspruchsvoll. Viele Werkzeuge sind noch nicht ausgereift und praxistauglich. Wer produktiv mit SysML v2 arbeiten will, hat im Moment nur eine sehr begrenzte Auswahl. (Mein Pitch: Bei dieser Auswahl kann ich helfen.)

Die Textnotation hat für enorm viel Aufregung gesorgt: Sie senkt Einstiegshürden, vereinfacht Datenaustausch, erleichtert Automatisierung und passt perfekt zu modernen Engineering-Workflows. 2025 sind mehrere Bücher erschienen, erste Universitäten haben Kurse auf Textnotation umgestellt und kompakte „Cheat Sheets“ helfen beim täglichen Arbeiten. Der Lerneffekt ist spürbar: Viele Teams melden, dass sie mit der Textnotation schneller ein gemeinsames Begriffsverständnis entwickeln als mit klassischen Diagrammsammlungen.

Automotive im Westen steckt tief in der Kriese

2025 war für die deutsche Automobilindustrie ein schwieriges Jahr. Die Absatzmärkte blieben unter Druck, gleichzeitig verschärfte sich der internationale Wettbewerb. Vor allem die Geschwindigkeit chinesischer Hersteller setzte die etablierten Unternehmen spürbar unter Stress. BYD, Nio, Xiaomi und andere Player demonstrierten erneut, dass sich Entwicklungszyklen auch für komplexe Fahrzeuge massiv verkürzen lassen, wenn Organisation, Software-Stack und Lieferkette konsequent auf Geschwindigkeit ausgelegt sind.

Gleichzeitig schaffen es deutsche Hersteller noch nicht einmal, eine klare Marschrichtung zu setzen und durchzuhalten: Zum Beispiel kündigte Porsche 2018 an, bis 2022 über 6 Milliarden Euro in deren Elektro-Strategie zu investieren nur um dann 2025 über 3 Milliarden zu investieren, um dies wieder rückgängig zu machen.

Porsche investiert erst 6 Milliarden Euro in eine Elektro-Strategie, um diese später für 3 Milliarden wieder rückgängig zu machen.

Weiterhin laufen in Deutschland viele Transformationsprogramme langsamer an als geplant. Altlasten in IT und Entwicklungskultur bremsen, und die Kosten der Elektrifizierung treffen die Unternehmen in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit. 2025 war auch ein Jahr, in dem mehrere Hersteller ihre Modellpaletten straffen mussten. Gleichzeitig entstanden neue Partnerschaften mit Tech- und KI-Unternehmen, denn ohne radikale Digitalisierung wird der Abstand zu den internationalen Wettbewerbern weiter wachsen.

Und während bei uns die Gesichter lang sind, Sammelt Xiaomi für den YU7 innerhalb von 3 Minuten rund 200.000 Vorbestellungen ein. Xiaomi baut erst seit kurzem Autos, lieferte das erste im April 2024 und hat inzwischen (Ende 2025) 500.000 Fahrzeuge produziert und ausgeliefert.

Ich will ja nicht sagen, „ich hab’s ja gesagt“. Aber ich fragte schon 2017: Haben deutsche Autos eine Zukunft?

Trends 2026: KI wird zur Normalität, für Automotive wird es schlimmer

In 2026 wird KI kein Sonderthema mehr sein, sondern Grundinfrastruktur. Die Frage lautet nicht mehr, ob man KI nutzt, sondern wie tief sie in Prozesse, Tools und Entscheidungen eingebettet ist. Diese Entwicklung betrifft alle Engineering-Disziplinen, vom Requirements Management bis zur virtuellen Validierung. Das bedeutet auch, dass Unternehmen sich mit KI nicht mehr differenzieren können. Die Frage ist nicht: „Nutzt Ihr KI?“, sondern: „Welche Anwendungsfälle beschleunigt Ihr mit KI?“.

Die 3 großen deutschen Autobauer wird es Ende des Jahrzehnts nicht mehr geben. Zumindest nicht in ihrer heutigen Form.

Moritz Schularick, Präsident Kieler Institut für Weltwirtschaft

Die wirtschaftliche und technologische Verflechtung mit China dürfte zunehmen. Das betrifft nicht nur Zulieferketten, sondern auch Wettbewerbsdruck, Kooperationen und Marktdynamiken. Gleichzeitig bleibt die politische Lage fragil. Sowohl in Deutschland als auch global sind 2026 Unsicherheiten zu erwarten, die Innovationskraft und Investitionsbereitschaft beeinflussen können. Für Engineering-Organisationen bedeutet das: Anpassungsfähigkeit wird zur Kernkompetenz. Ob die Automobilindustrie dies rechtzeitig schafft, ist fraglich. Dazu haben wir viel zu lange unterinvestiert.

Fazit: Viele Baustellen

Entscheidend wird 2026 sein, ob Organisationen bereit sind, diese strukturellen Fragen anzugehen: Wertströme sichtbar machen, Entscheidungswege verkürzen, technische Schulden aktiv abbauen und KI sinnvoll integrieren. Methoden wie MBSE, SysML v2 oder moderne Toolchains helfen dabei, aber sie ersetzen nicht die notwendigen organisatorischen Eingriffe.

Genau hier setzt Product Velocity an. Mich fasziniert, wie wenige Unternehmen es geschafft haben, ihre Entwicklungsorganisation radikal zu beschleunigen, ohne an Qualität einzubüßen. Xiaomi, SpaceX und einige andere zeigen, dass es möglich ist, physikalische Produkte mit einer Geschwindigkeit zu entwickeln, die früher undenkbar war. Es wird Zeit, diese Muster systematisch aufzubereiten und für den Rest der Industrie nutzbar zu machen.

Der Rückblick auf 2025 kann entmutigen und die Trends für 2026 zeigen, dass es herausfordernd wird. Aber wer jetzt den Mut hat, die eigenen Strukturen zu hinterfragen, kann enorm profitieren. In diesem Sinne: Packen wir es an.

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