Finde das Problem, bevor Du es löst: Der Product Velocity Anti-Pattern Finder

Um Probleme zu lösen, müssen wir sie zuerst erkennen. Das klingt trivial, scheitert in der Praxis aber oft. Teams arbeiten hart, liefern Artefakte, halten Termine ein, und trotzdem bleibt das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Die eigentliche Ursache liegt oft nicht im fehlenden Einsatz, sondern in strukturellen Mustern, die systematisch zu Verzögerungen, Reibung oder Fehlentscheidungen führen.
Genau hier setzen Anti-Patterns an. Sie machen typische Fehlstrukturen sichtbar. Und genau dafür gibt es jetzt ein neues Werkzeug: einen interaktiven Anti-Pattern Finder für Product Velocity.
Was sind Anti-Patterns?
Anti-Patterns beschreiben wiederkehrende, problematische Lösungsansätze. Sie sind keine Einzelfehler, sondern systematische Muster. Sie entstehen oft aus Unwissenheit. Aber sie können auch aus guten Absichten entstehen und sorgen dann unmerklich für Probleme.
Ein Anti-Pattern hat typischerweise:
- Ein beobachtbares Symptom
- Eine zugrunde liegende Ursache
- Messbare Auswirkungen
- Eine konkrete erste Gegenmaßnahme
Der Wert liegt in der Wiedererkennbarkeit.
Anti-Pattern-Sammlungen im Systems Engineering
Anti-Patterns sind kein neues Konzept. Auch im Systems Engineering gibt es schon Kataloge. Zum Beispiel hat das SYSMOD-Buch ein Kapitel mit Anti-Patterns, und im Flow-Buch von Reinertsen geht es fast nur um die Bekämpfung von schlechten Angewohnheiten.
So gesehen sind die Product Velocity-Anti-Patterns als eine Ergänzung einer Reihe von Sammlungen zu sehen.
Was sind Product Velocity Anti-Patterns?
Product Velocity betrachtet das Gesamtsystem der Produktentwicklung, bestehend aus: Business, Engineering, Delivery und System Stewardship, den vier Schleifen der Velocity Loop. Anti-Patterns entstehen genau an den Schnittstellen dieser Bereiche. Typische Beispiele sind:
- Lokale Optimierung verbessert Teams, aber verschlechtert den Gesamtfluss
- Integration findet spät statt und erzeugt teure Überraschungen
- Governance verlangsamt Entscheidungen, ohne Risiken zu reduzieren
- Metriken zeigen Fortschritt, ohne tatsächlichen Wert abzubilden
Diese Muster sind nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig.
Anti-Pattern im Buch
Das Product Velocity Buch ist entlang von Themenbereichen strukturiert. Die meisten Kapitel endet mit zwei Abschnitten: einem Wrap-up mit den wichtigsten Erkenntnissen und einer Anti-Pattern-Sektion mit konkreten Fehlmustern. Diese Struktur hilft beim Einsatz des Buchs als Referenzwerk.
Die folgenden Kapitel des Buchs haben einen Abschnitt mit Anti-Patterns:
- Velocity Loop: End-to-End-Fluss und typische Störungen im Gesamtsystem
- Cadence: Abstimmung von Rhythmen über Teams hinweg
- Culture and Value Flow: Anreize, Verantwortung und Entscheidungslogik
- Defining Value: Problemverständnis und Wertdefinition
- Stakeholder Needs and Requirements: Anforderungen als Koordinationsinstrument
- Value Streams: Fluss, Durchsatz und Engpassorientierung
- Institutionalizing Knowledge: Umgang mit Wissen in Organisationen
- Systems Architecture: Strukturelle Entscheidungen und ihre Auswirkungen
- Interface Management: Schnittstellen als kritische Kopplungspunkte
- Platform Thinking: Plattformen und ihre Governance
- System Models and Digital Thread: Modelle und durchgängige Datenstrukturen
- Cross-Cutting Concerns: Sicherheit, Compliance und andere globale Anforderungen
- Cross-Disciplinary Collaboration: Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg
- Continuous Integration and Verification: Integration und Validierung im Fluss
- Industrial DevOps: Automatisierung und Integration im Gesamtsystem
- Digital Twins: Nutzung von Modellen im Betrieb
- Operational Lifecycle and Feedback: Rückkopplung aus dem Feld
- Hardware-Software Co-Evolution: Zusammenspiel von HW und SW über Generationen
- Evolving Organization: Anpassung von Organisation und Architektur
Das Buch enthält insgesamt 133 Anti-Patterns. Der interaktive Anti-Pattern Finder nutzt allerdings nur die wichtigsten zwei bis drei Anti-Patterns pro Kapitel, insgesamt 38.
Das Buch enthält 133 Anti-Patterns. Der Finder arbeitet mit den 38 wichtigsten Patterns.
Der Anti-Pattern Finder
Der Finder ist ein einfaches, interaktives Diagnosewerkzeug, das folgendermaßen funktioniert:
- Du beantwortest eine Reihe von Multiple-Choice-Fragen
- Jede Antwort gewichtet bestimmte Anti-Patterns
- Am Ende wird das wahrscheinlichste Muster ermittelt
- Zusätzlich werden zwei verwandte Muster angezeigt
Bei so einem einfachen Vorgehen ist das Ergebnis natürlich kein vollständiges Bild, sondern ein Startpunkt. Ziel ist nicht die vollständige Analyse, sondern ein Startpunkt um zu handeln, also ein Problem zu identifizieren, eine erste Maßnahme ableiten und die Wirkung zu beobachten.
Der Finder ist auf Englisch und benötigt keine Anmeldung. Das Ergebnis erscheint sofort nach Beantwortung der Fragen.
Warum ein interaktiver Ansatz?
Listen von Anti-Patterns sind hilfreich, aber oft schwer zugänglich. Viele Anwender möchten das richtige Muster finden, ohne vorher den gesamten Katalog gelesen zu haben. Der Finder macht genau das möglich. Er reduziert eine große Sammlung auf einen konkreten Einstiegspunkt. Das ist entscheidend, weil:
- Organisationen selten an allem gleichzeitig arbeiten können
- Viele Probleme ähnliche Symptome haben
- Falsche Diagnosen zu falschen Maßnahmen führen
Der Finder zwingt zu einer Entscheidung.
Fazit
Anti-Patterns sind ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug. Sie machen strukturelle Probleme sichtbar.
Der Product Velocity Anti-Pattern Finder überträgt dieses Konzept in ein interaktives Format. Er ersetzt keine Analyse, liefert aber schnell einen klaren Startpunkt. Und genau das fehlt in vielen Organisationen: ein konkreter erster Schritt.






