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Plattform und Architektur: Warum BYD schneller ist als VW

Plattform und Architektur: Warum BYD schneller ist als VW

BYD bringt neue Modelle in nur 18 Monaten auf die Straße, im Gegensatz zu vier Jahren oder mehr, die Mitbewerber brauchen. Das hat viele Gründe: Auf der technischen Seite spielt die Entwicklung einer Plattform eine wichtige Rolle. Aber VW hat doch auch eine Plattform, warum entwickelt VW trotzdem nicht so schnell? Warum war REE mit dessen Skateboard-Plattform nicht erfolgreich? Und wie hängen Plattform und Architektur zusammen? Darum geht es diesem Artikel:

BYD: Mit der richtigen Plattform in 18 Monaten von Konzept zur Produktion

In diesem Interview beschreibt Stella Li, CEO von BYD Americas, wie das chinesische Unternehmen sich international positioniert. Das Unternehmen setzt dabei stark auf eigene Innovationen und Inhouse-Produktion. Die extrem schnelle Entwicklungszeit von nur 18 Monaten erreicht BYD durch die hohe Ingenieursdichte und effiziente Prozesse. Gleichzeitig setzt BYD konsequent auf ein Plattform (e-platform 3) die Fahrzeuge. Neben der höheren Geschwindigkeit belaufen sich die Entwicklungskosten im Vergleich auf lediglich ein Viertel.

Lieferketten verzögern Entwicklung

Bei BYD stammen fast alle Fahrzeugkomponenten aus dem eigenen Haus. Das beschleunigt die Entwicklung und erhöht den Innovationsgrad

Lieferketten sind ein Problem, dass BYD durch Inhouse-Produktion umgeht. Deutsche Hersteller sind stark von externen Zulieferern abhängig. Das treibt nicht nur die Kosten durch zusätzliche Margen, sondern macht auch jede Änderung komplizierter und zeitaufwändiger. Wenn ein Hersteller ein größeres Display braucht, kann so eine einfache Anpassung Jahre dauern. Die langen Entscheidungswege und globalen Lieferketten verlangsamen jede Änderung.

Ironischerweise hatten wir in Deutschland früher genau so ein Ökosystem. OEMs, Das war ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Autostandort Deutschland, den wir in den 1990ern aufgegeben haben. Bei neuen Technologien fehlt uns dieses Ökosystem. Wir müssen fast alles global beschaffen: Batterien, Halbleiter und Software. Das treibt nicht nur die Kosten durch zusätzliche Margen. Es macht auch jede Änderung komplizierter und zeitaufwändiger.

Plattform als Game-Changer

In der Softwareentwicklung ist die plattformbasierte Entwicklung längst etabliert. Dabei trennen wir Infrastruktur, Betriebssystem und Framework von der eigentlichen Applikation. Wenn jemand eine Webapplikation entwickeln möchte, dann wird ein passender Tech-Stack ausgewählt, der den Rahmen vorgibt.

Die Automobilindustrie erkennt nun auch den Wert von diesem Prinzip, wie BYD in eindrucksvoller Weise zeigt. Bei BYD basiert eine ganze Modellfamilie auf derselben Grundarchitektur: Batterie, Elektromotor, Lenkung, Achsen und Steuereinheit sind in einer Skateboard-Plattform integriert. Karosserie und Innenraum werden dann darüber „gestülpt“ – mit großer Designfreiheit und hoher Wiederverwendbarkeit von Komponenten.

Wirklich neu ist das nicht. Schauen wir uns zwei weitere Plattformen an: REE und den Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB), die Plattform von VW.

REE: Kurz vor dem Aus?

REE Automotive wollte das Plattform-Paradigma konsequent umsetzen: Ein flaches Skateboard-Chassis mit „Corner Modules“ – in die jedes Rad eigene Antriebseinheit, Lenkung und Federung integriert. Die Vision: ein Baukasten für Hersteller von Lieferwagen, Robo-Taxis und mehr.

REE Automotive stellte bereits 2020 sein Corner Module vor: Ein flaches Skateboard-Chassis, bei dem jedes Rad eigene Antriebseinheit, Lenkung und Federung integriert. Die Vision: ein Baukasten für Hersteller von Lieferwagen, Robo-Taxis und mehr. Doch dem Unternehmen gelang es nicht, Kunden zu gewinnen oder zur Serienproduktion zu skalieren. Das Vertrauen des Marktes fehlte. Investoren sprangen ab.

Eines der größten Probleme waren fehlende OEM-Partnerschaften, die für das Skalieren notwendig sind. Vielleicht war die Technologie der Corner Module technisch zu ambitioniert. Nun steht Ree möglicherweise kurz vor dem Aus.

MEB: Modularen E-Antriebs-Baukasten von VW

Volkswagens MEB-Plattform ist deutlich konservativer als BYD, aber durchaus erfolgreich. Seit 2019 bildet sie die technische Basis für zahlreiche E-Modelle im VW-Konzern, darunter ID.3, ID.4 und der Audi Q4 e-tron. Auch bei Skoda und Seat kommt MEB zum Einsatz. Die Plattform integriert Batterie, Motor und Steuerung in ein standardisiertes Layout, das sich flexibel skalieren lässt. Im Gegensatz zu REE ist MEB serienerprobt und weltweit im Einsatz. Allerdings ist MEB auch deutlich weniger modular und technologisch offener als das Konzept von BYD.

2022 berichtete VW, dass MEB die Entwicklungszeiten um 25% von 54 auf 40 Monate senken würde. Vor drei Jahren war das bemerkenswert, doch für den internationalen Wettbewerb, besonders aus China, bei weitem nicht genug.

Architektur und Plattform sind eng verwoben

Eine Plattform ist keine Technologie, sondern ein Systemdesign-Paradigma. Sie kombiniert technologische Bausteine mit strukturellen und methodischen Vorgaben zur Wiederverwendbarkeit und Skalierbarkeit. Das manifestiert sich in einer klaren Trennung von stabilen und variablen Elementen, sauberen Schnittstellen und loser Kopplung

Die Prinzipien der Plattform werden durch die Architektur konkret gestaltet und umgesetzt. Die Architektur ist somit ein zentrales Mittel zur Realisierung der Plattformstrategie.

Die Plattform stellt ein gemeinsames technisches Grundgerüst bereit, auf dem mehrere Varianten oder Produkte basieren (z. B. ein Fahrgestell, ein Steuergerät, ein elektronisches Baukastensystem). Auch gemeinsame Hardware- und Elektronikmodule, Kommunikationsschnittstellen (z. B. CAN, LIN, Ethernet), Betriebssysteme oder Echtzeitplattformen sind in der Regel Teil der Plattform, sowie standardisierte Software-Bausteine.

Die Architektur muss mit der Plattform kompatibel sein. Nicht nur das: Die Plattform gibt in der Regel Best Practices bezüglich der Architektur vor. Dieser müssen wir nicht folgen, doch diese Best Practices umzusetzen führt in der Regel zu besseren, günstigeren und besser wartbaren Systemen.

Die Entwicklung guter Plattformen und kompatibler Architekturen erfordert hohe technische Disziplin:

  • Definierte Module: Komponenten wie Antrieb, Batterie, Fahrwerk und Elektronik müssen standardisiert und austauschbar sein.
  • Klare Schnittstellen: Kommunikation zwischen Modulen erfolgt über wohldefinierte APIs und Datenbusse.
  • Stabile Baseline: Die Plattform entwickelt sich langsamer weiter als die darauf basierenden Produkte – eine bewusste Entkopplung.

Ohne diese Prinzipien kann die Plattform schwerfällig, inkonsistent und teuer werden—und scheitern.

Fazit

Eine Plattform kann zum Enabler für schnelle Produktentwicklung werden: Aber nur, wenn Architektur, Strategie und Markt zusammenspielen. BYD beweist, dass eine durchdachte Plattform als technische Basis radikale Beschleunigung ermöglicht. Ree zeig, wie schwierig es, Partner zum Skalieren zu gewinnen.,

VW hat mit MEB eine erfolgreiche Plattform aufgebaut. Doch diese kann zumindest im Moment noch nicht mit BYD mithalten. Um im Bereich Automotive wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir uns mächtig ins Zeug legen.

Bildquelle: BYD e-platform 3

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