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OMG und EDM Council: Offenheit auf dem Prüfstand

OMG und EDM Council: Offenheit auf dem Prüfstand

Die Object Management Group galt in der Standardisierungswelt lange als Ausnahme: eine Organisation, in der jedes Mitglied unabhängig von der Unternehmensgröße dieselbe Stimme hat, während andere Konsortien eher wie geschlossene Zirkel mit Einladungsschwelle funktionieren. Seit dem 1. Oktober 2025 gehört die 1989 gegründete OMG nicht mehr sich selbst. Das EDM Council hat ihre Vermögenswerte übernommen und firmiert seither als EDM Association.

Der Deal im Detail

Am 1. Juli 2025 unterzeichneten EDM Council und OMG eine Vereinbarung zur Übernahme. Am 1. Oktober 2025 war der Deal abgeschlossen. Die neue EDM Association vereint mehr als 700 Unternehmen und öffentliche Institutionen über acht Regionalbüros. Zur OMG gehören Standards wie UML, SysML, CORBA und BPMN, dazu die Digital Twin Consortium, AREA (Augmented Reality for Enterprise Alliance) und CISQ (Consortium for Information and Software Quality). Alle vier laufen als eigene Communities unter dem Dach der EDM Association weiter.

„Indem wir unsere beiden Organisationen zusammenführen, stärken wir die Verbindungen zwischen Datenmanagement, Standards und Innovation.“

(John Bottega, Präsident der EDM Association

Bill Hoffman, bisheriger Chairman und CEO der OMG, beschreibt den Schritt als Beschleuniger der eigenen Mission: mehr Reichweite, mehr Branchen, ein direkter Zugang zu etablierten Data Governance Praktiken für OMG Mitglieder. Für Anwenderunternehmen, die UML oder SysML im Alltag nutzen, ändert sich zunächst wenig. Die Standardgremien arbeiten unter neuem Dach weiter.

Kritik: Sorge vor Monopolisierung

Nicht jede Reaktion fiel wohlwollend aus. Das Branchenportal CDOTrends betitelte seinen Kommentar süffisant „Your Data Standards Just Got Monopolized. Let’s Celebrate!“ und stellte die zentrale Frage direkt:

„Wenn eine Organisation alles kontrolliert, von Data Frameworks bis zum Digital Twin Consortium der OMG, schafft das Effizienz oder erstickt es die Konkurrenz, die Standards überhaupt erst voranbringt?“

CDOTrends

Der Artikel verweist darauf, dass Chief Data Officer bislang von konkurrierenden Frameworks profitierten, weil Wettbewerb zwischen Standardisierungsgremien Tempo erzeugt. Eine einzige Organisation, die von Datenmanagement über digitale Zwillinge bis zur Softwarequalität alles unter einem Dach bündelt, trägt das Risiko bürokratischer Verlangsamung statt beschleunigter Standardentwicklung.

Meine eigene Erfahrung

Ich selbst hatte in den 2010ern mit der OMG zusammengearbeitet. Damals war ich aktiv in der Arbeitsgruppe, welche das Requirements Interchange Format (RIF/ReqIF) als Standard zur OMG gebracht hatte. Unter dem Namen RIF hatten mehrere Automobilhersteller den Standard ins Leben gerufen, der dann über eine Arbeitsgruppe bei der ProSTEP für die Standardisierung unter dem Namen ReqIF bei der OMG aufgearbeitet wurde.

Mir ist damals schon aufgefallen, wie offen, großzügig und pragmatisch die OMG dabei agierte. Sämtliche Daten und Unterlagen stehen online und können auch ohne Registrierung verwertet werden. Das hat mir die Arbeit im Eclipse Requirements Modeling Framework (RMF) sehr erleichtert, da wir das maschinenlesbare Format von ReqIF direkt im Projekt einlesen konnten.

Die OMG verwaltet viele der Standards, die wir im Systems Engineering regelmäßig nutzen: SysML, UML, BPMN, UAF und viele mehr.

OMG war immer die Offene

Die Sorge von CDOTrends bezüglich Monopolisierung trifft einen wunden Punkt, wenn man die Geschichte beider Organisationen vergleicht. Die OMG hat ihre Standards seit 1989 in einem vergleichsweise offenen Prozess entwickelt. Mitgliedschaft ohne große Eintrittshürde, Stimmrecht unabhängig von der Firmengröße, Arbeitsgruppen, die jedem zahlenden Mitglied offenstehen. Genau das habe ich bei meiner Arbeit mit der OMG auch erlebt. Andere Standardisierungsgremien im Software und Systems Engineering Umfeld funktionieren eher wie private Clubs, mit gestaffelten Mitgliedschaften und Gremien, die faktisch nur größeren Herstellern offenstehen.

Das EDM Council kommt aus einer anderen Tradition. Als Branchenforum der Finanzindustrie mit Fokus auf Data Governance und Compliance war seine Mitgliederbasis lange enger und stärker auf Finanzinstitute zugeschnitten. Ob die neue EDM Association die offene Kultur der OMG übernimmt oder die OMG Communities schrittweise an die engeren Strukturen des Council angleicht, ist die eigentliche Frage hinter der Pressemitteilung.

Die Hoffnung liegt nahe, dass eine größere, finanziell breiter aufgestellte Organisation der Offenheit sogar mehr Raum gibt: mehr Ressourcen für Arbeitsgruppen, mehr Regionalbüros, mehr Wege zur Mitwirkung. Das Gegenteil ist ebenso denkbar. Eine gewachsene Verwaltungsstruktur könnte formalisierte Mitgliedschaftsstufen mit sich bringen, wie sie im Data Governance Umfeld üblich sind.

Fazit

Wer UML, SysML oder BPMN im Alltag einsetzt, sollte die Governance Dokumente der EDM Association in den kommenden Monaten im Blick behalten. Entscheidend ist nicht die Pressemitteilung, sondern ob die Revision Task Forces von SysML und UML ihre offene Beteiligungsstruktur behalten oder ob neue Mitgliedschaftsstufen eingeführt werden. Die nächste Revision der SysML Spezifikation wird zeigen, welchen Weg die neue Organisation tatsächlich einschlägt.

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