Nanga Days: Funktioniert die PTC-Vision für agile Produktentwicklung?

Auf den diesjährigen Nanga Days in Stuttgart stellte Mark Simpson von PTC deren Strategie für agile Produktentwicklung vor. Was PTC vorgestellt hat, geht definitiv in die richtige Richtung. Allerdings fand ich überraschend, wie KI und MBSE dabei positioniert wurden.
Guter Austausch bei den Nanga Days
Die Nanga Days werden jährlich von Nanga Systems ausgerichtet, ein Unternehmen, dass sich auf die digitale Transformation fokussiert, insbesondere in der Produktentwicklung. Die Veranstaltung ist, ähnlich wie MESConf und Automotive Day, eine „Boutique Konferenz“, die mit ca. 100 Teilnehmern eine tolle Größe für den intensiven Austausch mit gleichgesinnten ermöglicht.
Ich selbst war dort mit einem Kurzvortrag vertreten und habe zusammen mit Geza Velkey Raiqon AI vorgestellt, eine KI-Platform für die Fahrzeugentwicklung.
PTC ist einer der vielen Partner von Nanga Systems, weshalb Mark Simpson, VP Product Management / ALM, auch am zweiten Tag die Keynote hielt.
PTC
PTC ist ein wichtiger Hersteller von Werkzeugen für die Produktentwicklung. Groß geworden ist das Unternehmen mit CAD und PLM (Windchill), hat aber über die Jahre ein integriertes Portfolio an Produkten zusammengestellt. Über die PTC Plattformstrategie berichtete ich zuletzt 2021, allerdings hatte das Unternehmen seitdem zwei für das Systems Engineering wichtige Werkzeuge aufgekauft, Codebeamer und Pure Systems.
In der Keynote beschrieb Mark die Entwicklung von PTC folgendermaßen:
Die Evolution von PTC:
CAD → ALM → PLM → IoT → SLM → AR
Agile Produktentwicklung bei PTC
Mark ist ein Veteran der Industrie und betonte, dass die digitale Transformation in der Produktentwicklung nun schon seit 40 Jahren im Gange sei und kein Ende abzusehen ist. Dem kann ich nur zustimmen! Mark identifizierte fünf Trends, die eine Veränderung erzwingen. Diese sind nicht neu, dennoch hier noch einmal die Liste:
- Wandel im Arbeitsumfeld — Mitarbeiter haben höhere Erwartungen an Arbeitgeber als vor 30 Jahren, es gibt weniger Kontinuität und Fachkräftemangel
- Volatile Lieferketten — Globale Abhängigkeiten und geopolitische Risiken führen zu Unsicherheiten und Unterbrechungen
- Software-gesteuerte Innovation — Hardware wird zur Commodity, Differenzierung findet in Software statt
- Nachhaltigkeit — Unternehmen stehen unter Druck durch Kunden und Gesetzgeber, ökologische Verantwortung zu übernehmen
- Service-Optimierung — Kunden erwarten, dass alles schneller, besser und günstiger wird.
Um den Lösungsansatz zu visualisieren, nutzt PTC schon seit einer Weile das folgende Bild, welches auch am unteren Rand die dafür eingesetzten Werkzeuge aus dem PTC-Portfolio zeigt:

Hier ist schön zu erkennen, dass dieser Prozess iterativ und agil gelebt werden muss. Hier hakt es ja leider an vielen Stellen, was Mark bestätigte. Viele Unternehmen entwickeln nach wie vor nach Wasserfall.
Viele Branchen sind in der Wasserfall-Mentalität gefangen
Digitale Transformation systematisieren
PTC hat die Transformation der einzelnen Bereiche folgendermaßen heruntergebrochen:
- CAD: Digitales definiert Physikalisches (Computer Aided Design)
- ALM: Digitales steuert Physikalisches (Application Lifecycle Management)
- PLM; Digitales verwaltet Physikalisches (Product Lifecycle Management)
- IOT: Digitales verbindet Physikalisches (Internet of Things)
- SLM: Digitales erhält Physikalisches (Sustainability Lifecycle Management)
- AR: Digitales erweitert Physikalisches (Augmented Reality)
Neben der Erneuerung von ALM durch Codebeamer hatte PTC bereits den CAD-Bereich durch die Akquisition von OnShape vor einigen Jahren aktualisiert. Ich bin von OnShape insofern beeindruckt, da es skallierbares CAD im Webbrowser ermöglicht.
Was ist mit KI, Systems Engineering und MBSE?
KI durfte natürlich auch nicht fehlen und wurde als wichtiger Teil der PTC-Strategie definiert. Bei den Details blieb es allerdings eher dünn. Mark betonte, dass Kunden eine Story zu KI hören möchten, dann aber durchaus bereit wären, auf das Feature im Produkt zu warten. Das macht sicher Sinn (wir sehen viel zu viel unreife KI in Produkten), allerdings blieb uns Mark schuldig, was denn genau die PTC-Story zu KI ist.
Es gab zwar eine Folie, auf der der PTC Modeller (ehemals Windchill Modeler) aufgeführt wurde; auf die Frage nach MBSE verwies Mark auf Hedley Apperly bei PTC. Mark betonte zwar, dass er eng mit Hedley zusammenarbeite und dass Modellierung und MBSE für PTC strategisch wichtig sei. Doch ob das wirklich so ist, wird nur die Zeit zeigen. Zumindest in dieser Keynote behandelte Mark das Thema Modellierung stiefmütterlich, das Thema Systems Engineering tauchte schlicht gar nicht auf.
Allerdings erwähnte Mark auch, dass SysML v2 sowohl eine wichtige Rolle bei PTC spielt, als auch dass es schon bald ein SysML-v2-fähiges Werkzeug geben würde. Ich bin gespannt!
Fazit
Wirklich neu war vieles aus dieser Keynote nicht, aber mir gefällt der PTC Ansatz, den ich als etwas flexibler wahrnehme als die von den anderen Portfolio-Anbietern wie IBM und Dassault. Etwas enttäuscht war ich zwar bezüglich dem Fehlen von SE und MBSE. Ich werde meine Augen offen halten nach Nachrichten von Hedley Apperly, der zu dem Thema vielleicht etwas mehr zu sagen hat.






