|

MESConf Open Space zu SysML v2 und FOSS: Können diese 7 Werkzeuge die Akzeptanz erhöhen?

MESConf Open Space zu SysML v2 und FOSS: Können diese 7 Werkzeuge die Akzeptanz erhöhen?

Letzte Woche fand die MESConf auf dem Infineon-Kampus im München statt. Wie schon die Jahre zuvor gab es tolle Vorträge, belebte Open Spaces und rege Diskussionen in den Pausen. Die Themen AI und SysML v2 waren beide sehr prominent. Aber für Leser von SE-Trends war sicher der von Jan Scholz moderierte Open Space zu FOSS (Free and Open Source Software) SysML v2-Werkzeugen.

Jubiläum: Die 10. MESConf

Diese MESConf war die zehnte und damit einer Jubliäumsausgabe. In diesen zehn Jahren hat die Veranstaltung nichts von ihrem Charme verloren. Gleichzeitig sagten viele Besucher beim Abschluss, dass diesmal die Themen und Menschen, dass dies bisher eine der besten MESConfs war. Also: Weiter so!

Die MESConf wurde vor zehn Jahren von Modellierungsexperten aus Leidenschaft ins Leben gerufen. Zu den Initiatoren gehören Andreas Willert, Tim Weilkiens und Alexander Huwald. Georg Huber von Infineon überzeugte seinen Arbeitgeber, die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Alexander Schneider, der sich später zum Gründungsteam gesellte, brachte diesmal eine Jubiläumsausgabe mit den spannendsten Beiträgen heraus.

Open Space

Ein Open Space ähnelt einem Barcamp: Die Besucher bringen Themen mit und schlagen diese vor, indem sie eine kurze Beschreibung an eine Pinwand hängen, wodurch Zeit und Raum feststehen. Wenn die Sessions beginnen, dann gehen interessierte einfach zu der Session, wobei ein Wechsel auch erlaubt ist.

Da ich ja schon länger die MESConf besuche, war mir das Format bekannt. Ich hatte auch, zusammen mit Walter van der Heiden eine Session zum Thema MBSE & AI.

Jan Scholz stellte in seinem Open Space die Frage: Welche quelloffenen SysML v2-Werkzeuge gibt es und wofür brauchen wir diese?

Wofür Brauchen wir FOSS SysML v2-Werkzeuge?

Recht schnell waren sich die Teilnehmer einig, dass offene Werkzeuge eine gute Idee sind. Natürlich durfte die Diskussion bezüglich offen und kostenlos nicht fehlen. Daher auch der Begriff FOSS, da wir SysML v2-Werkzeuge untersuchen wollten, die frei oder offen sind, gerne natürlich auch beides.

Hier waren die Teilnehmer sehr pragmatisch. Alle verstanden, dass auch Open Source ein solides Geschäftsmodell braucht und möchten einfach nur etwas, was für ihre Probleme funktioniert.

Unter diesem Gesichtspunkt kamen wir auf die folgenden Anwendungsfälle:

  • Lehre: In der Lehre helfen offene Werkzeuge, die Studierenden an SysML v2 heranzuführen. Damit werden viele reale Probleme umschifft, wie Bereitstellung von Budgets, Konfiguration von Lizenzschlüsseln und ähnliches.
  • Forschung: In der Forschung sind die Kosten gar nicht einmal so sehr das Problem. Vielmehr möchten Forschende oft Werkzeuge erweitern, was bei kommerziellen Angeboten oft schwer bis unmöglich ist.
  • Viewer: Viele Nutzer wollen gar nicht unbedingt modellieren, aber sich Modelle anschauen können. Das ist ein reales Problem, das ein einfaches Werkzeug entschärfen könnte.
  • Niederschwelliger Einstieg: Viele Menschen möchten sich einfach weiterbilden und wären sogar bereit, ihr Geld dafür auszugeben. Bei diesem Thema kam einiger Frust zutage, von Herstellern wie Dassault oder Mathworks, die diese Nutzergruppe sehr schlecht oder gar nicht bedienen.

7 offene und kostenlose SysML v2* Werkzeuge

Nur fünf der hier aufgeführten Werkzeuge unterstützen SysML v2, doch alle haben eine große Nähe dazu.

Nachdem Anwendungsbereich und Grad der Offenheit geklärt waren, erarbeitete die Gruppe gemeinsam die folgende Liste:

  • Eclipse Reference Implementation: Die Referenzimplementierung hatte ich bereits hier bei SE-Trends begutachtet. Sie benutzt Eclipse als Plattform und stellt Server als auch Client bereit. Der Client beherrscht die textuelle Notation und kann Diagramme darstellen.
  • SysON: SysON habe ich ebenfalls bereits begutachtet. Dieses Werkzeug ist spannend, da es im Webbrowser läuft und damit die Einstiegshürde weiter senkt. Obeo bietet ein kommerzielles, auf SysON basierendes Werkzeug an.
  • Jupyter Notebook: Auch das Jupyter Notebook hatte ich hier bereits vorgestellt. Es eignet sich hervorragend für Forschung und Experimente, da Modelle mit freiem Text gemischt werden können.
  • SysIDE: Ausgesprochen als „See-Side“ ist SysIDE ebenfalls quelloffen, mit einem kommerziellen Gegenstück. Als Plattform haben die Entwickler Visual Studio Code ausgewählt, eine IDE, die inzwischen in der Softwareentwicklung der Standard geworden ist.
  • MontiCore: MontiCore ist eine Plattform für den Umgang mit DSLs und unterstützt inzwischen die textuelle SysML v2-Notation.
  • Gaphor: Gaphor unterstützt heute noch nicht SysML v2. Es gibt jedoch ein offenes Ticket dazu. Da es sich um Open Source handelt, müsste jemand Hand anlegen.
  • SysMD: (update) Dieses Werkzeug unterstützt ein großes Subset von SysML v2 und wird weiter ausgebaut. Binaries für Mac und Windows gibt es ebenfalls.

FOSS & SysML v2: Der Weg zum Mainstream?

Bei dieser Session habe ich neue Werkzeuge kennengelernt, die ich definitiv nicht auf dem Zettel hatte. Sicher werde ich mich in den kommenden Monaten mit dem einen oder anderen Werkzeug etwas intensiver auseinandersetzen. Mich freut, dass es doch recht viele Optionen gibt, einige davon auch sehr leistungsfähig und nutzerfreundlich.

Die Welt der Softwareentwicklung hat gezeigt, wie wichtig FOSS für Verbreitung einer Technologie ist und dass sich auch erfolgreiche Geschäftsmodelle auf Open Source aufsetzen lassen. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass diese Lektion auch im Systems Engineering angekommen ist.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar