{"id":943,"date":"2017-02-02T08:00:06","date_gmt":"2017-02-02T07:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/se-trends.de\/?p=943"},"modified":"2017-01-29T16:58:17","modified_gmt":"2017-01-29T15:58:17","slug":"certification-sense-or-nonsense","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/zertifizierung-sinn-oder-unsinn\/","title":{"rendered":"Certification - is it worth it?"},"content":{"rendered":"<p>Zertifikate kosten Zeit und Geld. Und manch einer fragt sich, ob der Aufwand sich lohnt \u2013 egal ob f\u00fcr einen besseren Job, oder f\u00fcr einen selbst. Und wenn man falsch an eine Zertifizierung herangeht, dann kann\u00a0 es passieren, das wenig mehr als hei\u00dfe Luft dabei herauskommt.<\/p>\n<p>Wie man richtig an eine Zertifizierung herangehen sollte, erkl\u00e4rt Andrea Herrmann im heutigen Gastbeitrag.<!--more--><\/p>\n<h2>Der Sinn von Zertifizierungen am Beispiel des CPRE (Certified Professional Requirements Engineer)<\/h2>\n<p>Zertifizierungspr\u00fcfungen, die auswendig gelerntes Wissen und Begriffe in Multiple Choice-Form abfragen, werden landl\u00e4ufig gerne untersch\u00e4tzt. Nat\u00fcrlich bereitet Bulimielernen (d.h. das hastige Herunterschlingen ungekauter Wissensbissen) keine Freude, und so schnell wie man seine Spr\u00fcchlein auswendig gelernt hat, so schnell vergisst man sie wieder. Wer nur auf die Pr\u00fcfung lernt, der lernt damit nicht automatisch auch f\u00fcrs Leben. Aber das hat ja auch niemand behauptet.<\/p>\n<blockquote><p>Zertifizierungen mit Multiple Choice werden landl\u00e4ufig gerne untersch\u00e4tzt (Andrea Herrmann) [tweetthis]Zertifizierungen mit Multiple Choice werden landl\u00e4ufig gerne untersch\u00e4tzt[\/tweetthis]<\/p><\/blockquote>\n<p>Beispielsweise der Stoff der CPRE-Pr\u00fcfungen besteht nicht nur aus Definitionen, die zu lernen und in der Pr\u00fcfung wiederzugeben (bzw. wiedererkennen) sind, sondern auch aus Methoden, die angewendet werden m\u00fcssen. Dazu geh\u00f6ren sowohl die UML-Notation als auch Auswahlkriterien f\u00fcr die richtige Methode in der passenden Situation. In der Pr\u00fcfung gilt es also auch, Modelle zu lesen und zu verstehen oder in einer Fallstudie Techniken richtig auszuw\u00e4hlen. Im Berufsleben m\u00fcssen Sie zus\u00e4tzlich Modelle erstellen und Techniken anwenden, doch das kann in der Multiple Choice Pr\u00fcfung nur schwer getestet werden.<\/p>\n<h2>Kursl\u00e4nge<\/h2>\n<p>Wegen der Stoffmenge ist es leider nicht m\u00f6glich, in einem dreit\u00e4gigen Crash-Kurs sowohl die Pr\u00fcfung vorzubereiten als auch die praktische Anwendung der Methoden einzu\u00fcben. Nach meiner Erfahrung braucht man f\u00fcr die CPRE-Pr\u00fcfungsvorbereitung drei Tage (f\u00fcr das CPRE Foundation Level genauso wie f\u00fcr die Advanced Levels) und kann die vom CPRE empfohlenen Requirements Engineering Methoden in zwei weiteren Tagen ein\u00fcben. Ich biete beide Arten von Kursen an, meist getrennt, manchmal auch kombiniert, wenn jemand f\u00fcnf Tage investieren kann. In f\u00fcnf statt drei Tagen bleibt zus\u00e4tzlich zur Pr\u00fcfungsvorbereitung auch Raum f\u00fcr Diskussionen und die Anwendung der Methoden auf eine konkrete Fallstudie. Es ist aber auch m\u00f6glich, die Definitionen wegzulassen und in zwei Tagen nur die praktische Anwendung zu \u00fcben. Die Begriffe lernen die Teilnehmer dann nebenbei.<\/p>\n<blockquote><p>Auch wenn der dreit\u00e4gige Crash-Kurs auf dem Markt am g\u00e4ngigsten ist: Es hat niemand angeordnet, dass man den Stoff in kurzer Zeit pauken muss (Andrea Herrmann) [tweetthis]Es hat niemand angeordnet, dass man den Stoff f\u00fcr die Zertifizierung in kurzer Zeit pauken muss[\/tweetthis]<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist m\u00f6glich, in einem dreit\u00e4gigen Crashkurs das Wissen einzutrichtern. Dazu bespricht man die Definitionen und h\u00e4mmert sie durch mehrfache Wiederholungen ins Gehirn. Noch hilfreicher ist es f\u00fcr den Lerneffekt und die Merkf\u00e4higkeit, wenn man das Wissen anwendet, also damit etwas macht. Das kostet allerdings Zeit und ist somit nicht f\u00fcr den gesamten Stoff m\u00f6glich, au\u00dfer man nimmt sich wie gesagt f\u00fcnf Tage Zeit. Noch entspannter gelingt das Lernen, wenn Sie sich erst in einem Crashkurs einen \u00dcberblick verschafft und die Pr\u00fcfung nicht direkt am dritten Kurstag schreiben, sondern zwei, drei Wochen sp\u00e4ter. Da Kurs und Pr\u00fcfung sowieso nicht durch dieselbe Person durchgef\u00fchrt werden, k\u00f6nnen sie gut einzeln gebucht und geplant werden. Oder Sie lernen gem\u00fctlich schon zu Hause vor und nutzen den Crashkurs zur Wiederholung und Diskussion der Punkte, die beim Selbstlernen offen blieben. Dann k\u00f6nnen Sie auch entspannt anschlie\u00dfend gleich schreiben, weil Sie gerade auf dem H\u00f6hepunkt der Vorbereitung sind.<\/p>\n<h2>Machen Zertifikate schlauer?<\/h2>\n<p>Aber ist man mit diesem Wissen dann kl\u00fcger und besser im praktischen Requirements Engineering? Wei\u00df man dann immer in jeder Lage vorab, was die beste L\u00f6sung gewesen sein wird? Nat\u00fcrlich kann ein Standard nur eine zusammenfassende Abstraktion von vielen realen Einzelf\u00e4llen darstellen. Er definiert das, was nach aktuellem Stand der Praxis und Stand der Forschung mit h\u00f6chster Wahrscheinlichkeit die beste L\u00f6sung w\u00e4re und sich schon \u00f6fter bew\u00e4hrt hat. Ob das in Ihrem Projekt, das gerade auf dem Tisch liegt, auch so ist, wei\u00df der Standard nicht zu sagen. Die Verantwortung f\u00fcr das, was Sie in der Praxis tun, kann Ihnen kein Druckwerk abnehmen. Im Gegenteil steht meistens im Kleingedruckten, dass der Standard angepasst werden darf, soll oder sogar muss. Das hei\u00dft praktisch, dass Sie das erlernte Wissen noch durch Ihre Erfahrung oder die Erfahrung der Kollegen sowie gesunden Menschenverstand, Hellsehen und viel Gl\u00fcck anreichern m\u00fcssen, um erfolgreich zu arbeiten. Ein Standard liefert also keine vorgefertigten Antworten, sondern vor allem Fragen. Das ist hilfreicher als Sie nun vielleicht denken. Im richtigen Moment alle relevanten Fragen zu stellen, Parameter abzupr\u00fcfen und Checklisten durchzuarbeiten, macht professionelles, effizientes Arbeiten aus. Und genau daf\u00fcr finden Sie im Standard Handreichungen.<\/p>\n<blockquote><p>Ein Standard liefert also keine vorgefertigten Antworten, sondern vor allem Fragen (Andrea Herrmann) [tweetthis]Ein Standard liefert keine vorgefertigten Antworten, sondern vor allem Fragen[\/tweetthis]<\/p><\/blockquote>\n<h2>Eine gemeinsame Sprache finden<\/h2>\n<p>Am besten klappt die Kommunikation, wenn alle am Projekt Beteiligten dieselbe Sprache sprechen. Auch dabei unterst\u00fctzt die Zertifizierung. In der Technikwelt treffen interdisziplin\u00e4r viele Sprachen aufeinander: Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaft und Medienwissenschaften. In Fachb\u00fcchern, die \u00e4lter als die CPRE-Zertifizierung sind, finden Sie eine widerspr\u00fcchliche, nichtstandardisierte Terminologie vor. Selbst wenn Sie Requirements Engineering B\u00fccher mit Requirements Engineering B\u00fcchern vergleichen, werden f\u00fcr dieselbe Sache verschiedene Begriffe verwendet oder derselbe Begriff unterschiedlich definiert. Vor der Standardisierung musste darum jedes Projekt seine eigene Requirements Engineering Terminologie definieren, damit man nicht aneinander vorbei redet. Sind alle auf denselben Standard geeicht, sprechen sie von Anfang an dieselbe Fachsprache. Darum schicken Firmen gerne ganze Abteilungen auf Schulung und zur CPRE-Pr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Auch wenn ich mit den CPRE-Crash-Kursen meine Br\u00f6tchen verdiene, empfehle ich doch lieber eine zeitliche Entzerrung des Lernprozesses f\u00fcr einen nachhaltigeren Lerneffekt. Auch wenn es m\u00f6glich ist, in drei Tagen von null auf hundert (oder zumindest 70) zu kommen: Was schnell gelernt wurde, wird auch schnell wieder vergessen. Wenn ich selbst eine Zertifizierung vorbereite, nehme ich mir ein bis zwei Monate Zeit. Eine andere M\u00f6glichkeit, sich das Lernen noch verdaulicher aufzuteilen, bietet ein E-Learning-Kurs. Hier k\u00f6nnen Sie den Zeitverlauf selbst steuern. Ich selbst habe einen CPRE-Vorbereitungskurs im Angebot, der gezielt die Beantwortung von Multiple Choice Fragen trainiert, und auch zus\u00e4tzlich eine nichttriviale Fallstudie bearbeitet, damit Sie die Techniken im Einsatz erleben. So entsteht eine CPRE-konforme Anforderungsspezifikation.<\/p>\n<h2>Spa\u00df am Lernen<\/h2>\n<p>Last but not least macht Erfolg auch Spa\u00df. Ich g\u00f6nne mir jedes Jahr ein weiteres Zertifikat oder auch zwei. Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl, wenn man mal wieder bestanden hat! Man kann die h\u00fcbschen Urkunden wie Briefmarken sammeln und auch Serien bilden: Foundation, Advanced, Expert!<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.herrmann-ehrlich.de\" target=\"_blank\">Dr. Andrea Herrmann<\/a><\/strong> ist freiberufliche Trainerin und Beraterin f\u00fcr Software Engineering mit mehr als 20 Berufsjahre in Praxis, Lehre und Forschung. Sie ist Mitautorin von Lehrplan und Handbuch des IREB f\u00fcr die CPRE Advanced Level Zertifizierung in Requirements Management, sowie Regionalgruppensprecherin der Gesellschaft f\u00fcr Informatik in Stuttgart\/ B\u00f6blingen. Ihren <a href=\"https:\/\/www.bisg-ev.de\/themen\/bisg-akademie\/bisg-webinar-requirements-engineering-foundation-level\" target=\"_blank\">CPRE Foundation Level Kurs<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yRSzZgSMIFk\" target=\"_blank\">Vorstellungs-Video<\/a>) gibt es auch per E-Learning.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Certificates cost time and money. And some people ask themselves whether the effort is worth it - whether for a better job or for themselves. And if you approach certification incorrectly, you may end up with little more than hot air. The right way to approach certification is explained...<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":952,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_kad_post_transparent":"","_kad_post_title":"","_kad_post_layout":"","_kad_post_sidebar_id":"","_kad_post_content_style":"","_kad_post_vertical_padding":"","_kad_post_feature":"","_kad_post_feature_position":"","_kad_post_header":false,"_kad_post_footer":false,"_kad_post_classname":"","footnotes":""},"categories":[47,43],"tags":[189,191,190],"class_list":["post-943","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausbildung","category-industrie","tag-andrea-herrmann","tag-cpre","tag-zertifizierung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/943","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=943"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/943\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/952"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=943"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=943"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.se-trends.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=943"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}