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Don’t Panic! SysML v2 Buch-Rezension

Auch wenn SysML v2 noch kein offizieller Standard ist, gibt es jetzt schon mindestens ein Buch dazu: Die aus dem MBSE-Podcast bekannten Autoren Tim Weilkiens und Christian Muggeo haben kürzlich das Buch „Don’t Panic! – The Absolute Beginners Guide to SysML v2“ veröffentlicht. Hier nun die Rezension zum Buch.

Ist das Buch lesenswert? Das werde ich im Folgenden beantworten.

Zielgruppe: An SysML v2 und/oder MBSE interessierte Menschen mit Grundkenntnissen von UML oder SysML, die bezüglich SysML v2 kompetent mitreden können wollen. Die Bezeichnung „Absolute Beginners Guide“ sollte nicht wörtlich genommen werden, was aus der Buchbeschreibung auch hervorgeht. Leser sollten zumindest ein paar Grundkenntnisse von UML oder SysML mitbringen.

Bewertung: ★★★★★ Durch die Kompaktheit (68 Seiten) kann das Buch zwangsweise nicht in die Tiefe gehen. Trotzdem holt es den Leser bei allen wichtigen Themen ab und vermittelt die Möglichkeiten, Grenzen und Unterschieden von SysML v2, mit klar verständlichen Beispielen unterlegt. Leser, die schon länger die SysML v2 verfolgen, werden nicht viel Neues finden. Das allerdings auch nicht das Ziel des Buchs.

Erwerben: Das Buch wird über den INCOSE UK-Shop für £ 20 als Ppierbuch oder für £ 15 als DRM-freies PDF vertrieben.

Vom Buch abgedeckte Anwendungsfälle

In der Einleitung beschreiben die Autoren, wie gute Systems Engineers, die Use Cases, für die das Buch konzipiert wurde. Diese sind:

  • Einen Einstieg in SysML v2 finden;
  • Die Spracharchitektur verstehen;
  • Unterschiede zwischen v1 und v2 verstehen;
  • Migrationspfad von v1 zu v2 zu identifieren;
  • Die Vorteile von SysML v2 vestehen;
  • Als Nutzer die Werkzeughersteller dazu zu zwingen, SysML v2. richtig zu implementieren.

Das Buch gibt Lesern die Informationen, die sie benötigen, um Druck auf Werkzeughersteller auszuüben, damit diese SysML v2 formal korrekt implementieren.

Buchstruktur

Das Buch ist folgendermaßen strukturiert:

Kapitel 1: Motivation für SysML v2: Auf einer Seite fassen die Autoren das zusammen, was hier im Blog schon mehrfach erklärt wurde.

Kapitel 2: Geschichte von SysML: Eine kurze Zusammenfassung wie sich Modellierungssprachen über die Jahrzehnte entwickelt haben, angefangen mit UML.

Kapitel 3: Architektur der SysML v2-Sprache: Im Gegensatz zur SysML v2 basiert v2 nicht mehr auf UML, was wohl die wichtigste Änderung in der Architektur darstellt. In diesem Kapitel beschreiben die Autoren die verschiedenen Meta-Ebenen der Sprache.

Kapitel 4: SysML v2 Features: In diesem Kapitel geht es an das Eingemachte: Definition und Verwendung, Spezialisierungen, Strukturelle Modellierung, Verhaltensmodellierung, Anwendungsfälle und andere Fälle, Anforderungsmodellierung, Domänenspezifische Modellierung, Sichten und Gesichtspunkte, Variabilität und SysML-Modellbibliotheken.

Kapitel 4 ist das längste. Dort geht es um das Eingemachte und die zehn wichtigsten SysML v2-Features werden mit Beispielen beschrieben.

Kapitel 5: API und andere Dienste: Die SysML v2 API ist eine weitere Neuheit, die viele neue Anwendungsfälle ermöglichen wird. Die Autoren zeigen erörtern theoretische Aspekte, wie Unterscheidung zwischen plattformunabhängingen und plattformspezifischen Modell (PSI, PSM) un zeien ein paar konkrete Beispiele anhand von REST-APIs über Swagger-Interfaces.

Kapitel 6: Migration von v1 nach v2: Viel Interesse an SysML v2 kommt sicher von Nutzern der v1. Daher ist das Thema Migration für viele Leser wichtig. Dieses Kapitel geht auf die verschiedenen Migrationsstrategien ein.

Kapitel 7: Zusammenfassung: Die Autoren vergleichen die Tour durch die SysML v2 in 50 Seiten mit einer Reise durch Europa in 5 Tagen: Es gibt den Lesern ein grobes Gefühl für die Sprache und helfen ihnen zu entscheiden, wo sie bei der nächsten „Reise“ weiter in die Tiefe gehen möchten.

Weiterhin hat das Buch noch einen Anhang zu Referenzimplementationen (siehe unten).

Info-Boxen für Entscheider

Extrem nützlich sind die verschiedenen Info-Boxen im Buch. Diese helfen, wichtige Konzepte noch einmal hervorzuheben. Die Infoboxen helfen, sich vom Hype um SysML v2 abzugrenzen und die wichtigen Aspekte von SysML v2 zu durchdringen. Es gibt die folgenden Kategorien:

Pitfall: Häufige Fallen und Fehler, die mit SysML v2 leicht gemacht werden können.

Myth: Häufige Missverständnisse, Irrtümer und regelrechte Lügen.

Key Concept: Ein wirklich wichtiges Konzept, das wir kennen und verstehen müssen, um SysML v2 erfolgreich einzusetzen.

Scary: Ein abschreckender, beunruhigender oder beängstigender Aspekt von SysML v2.

Benefit: Ein Aspekt von SysML v2, der unsere Systems Engineering-Aktivitäten bereichern wird.

Anhang A: Mit SysML v2 experimentieren

Um das Buch so praxisnah wie möglich zu halten, weisen die Autoren in Anhang A auf die zwei Referenzimplementierungen hin. Die Eclipse-basierte quelloffene Implementierung hatte ich in diesem Blog bereits vorgestellt. Daneben gibt es noch eine JupyterLab-version, die im Browser läuft.

Don’t Panic-Serie

Dies ist weder das einzige noch das erste Buch der Don’t Panic-Serie. Diese wurde von Jon Holt vor vielen Jahren ins Leben gerufen, um die Konzepte des Systems Engineering zugänglich zu machen. Der Name basiert natürlich auf dem Klassiker von Douglas Adams. Da er Technical Director von INCOSE UK ist, werden Bücher der Reihe auch dort veröffentlicht. In diesem SysML v2 taucht Jon als „Easter Egg“ auf:

Batman ist nicht Bruce Wayne, sondern Jon Holt! (Quelle: The Absolute Beginners Guide to SysML v2. Dies wurden von einem Vortrag von Jon Holt inspiriert, das er im Batman-Kostüm hielt)

Fazit

Das Buch trifft den Nerv der Zeit und ist gerade im Moment sehr wichtig, da es im Moment viel Hype und viele Missverständnisse zu SysML v2 gibt. Das Buch ist kurz genug, um es an einem Nachmittag zu lesen. Für Entscheider ist es zwar an vielen Stellen technisch zu detailliert. Allerdings können Entscheider einfach die Infoboxen überfliegen und bei Bedarf tiefer in den Text einsteigen.

Für Leser, die bereits einen SysML v2-Vortrag von Tim Weilkiens, Stephan Roth, Christian Muggeo oder jemand anderes gehört haben, bietet das Buch nicht viel neues. Solche Leser sollten erwägen, das Buch für Ihre Vorgesetzten zu kaufen.

Photo by Winston Chen on Unsplash

Michael Jastram

Creator and Author of SE-Trends