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Automotive in Deutschland: Nicht kleckern – klotzen!

In Deutschland kommen 7% aller Arbeitsplätze direkt oder indirekt aus der Automobilindustrie. Das ist auch für Menschen ohne Autos relevant, denn wenn es dieser Industrie schlecht geht, wirkt sich das auf die ganze Gesellschaft aus. Unter diesem Gesichtspunkt ist es erschreckend, wie wenig in Automotive investiert wird. In den sieben Jahren von 2011-2018 hat die USA ca. USD 56 Milliarden in Automotive-Startups investiert. Im selben Zeitraum waren es in China mehr als USD 30 Milliarden. Und Deutschland? Nur etwa eine Milliarde.

Diese Zahlen stammen von Florian Nöll, einem deutschen Investor (Video). In dem Vortrag geht es um die Investement-Szene in Deutschland, nicht um Automotive. Dennoch sind die zwei Themen verwoben. Schließlich ist Innovation einer der wichtigsten Treiber für die Wirtschaft. Innovation kann auch aus großen Konzernen und dem Mittelstand kommen, doch schon immer waren Start-ups die Hauptquelle von Innovation.

Strukturelle Unterschiede

Sicherlich müssen wir solchen Zahlen vorsichtig sein. Schließlich unterscheidet sich Deutschland strukturell erheblich von vielen anderen Ländern. Der deutsche Mittelstand und die „Hidden Champions“ sind eine größere Quelle der Innovation als in vielen anderen Ländern. Dazu kommt, dass durch COVID-19 viel für Innovation bereitgestellt wird, insbesondere Digitalisierung. Ein großer Teil der Programme ist darauf ausgerichtet, etablierten Unternehmen den schnellen Wechsel auf digitale Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Das ist eine Chance für Mittelständler sich jetzt neu aufzustellen. Um nur ein Beispiel zu nennen, das Programm Mittelstand Innovativ & Digital ist genau darauf ausgerichtet und für Start-ups nicht wirklich geeignet.

Chance jetzt Nutzen

Gerade COVID-19 ist eine große Chance, jetzt aufzuholen. Die Gelder sind vergleichsweise leicht zu beschaffen. Theoretisch hat das Personal auch weniger zu tun, allerdings sieht das meiner Erfahrung nach anders aus. Zwar wurde vielerorts die Produktion reduziert, aber die Ingenieurinnen und Ingenieure haben mehr zu tun denn je.

Auch für Start-ups sieht die Situation nicht schlecht aus. Schließlich können wir davon ausgehen, dass in neun bis fünfzehn Monaten die Wirtschaft aufdreht um das nachzuholen, was während Corona nicht erledigt werden konnte. Auch die niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass Anleger verzweifelt nach Investitionen suchen.

Trotzdem: Die Zahlen von Florian Nöll stimmen nachdenklich. Damit Deutschland in den nächsten zehn Jahren Weltmeister in Automotive bleibt, müssten wir gefühlt unsere Investitionen verhundertfachen. Also: Ärmel hochkrempeln und loslegen!

Photo by Alex Suprun on Unsplash

Michael Jastram

Creator and Author of SE-Trends