Agile Product Operating Model: Der Weg zur agilen Produktentwicklung

Das heutige Thema geht zur Zeit vielen Fach- und Führungskräften durch den Kopf: Ist agile Produktentwicklung der Weg für nachhaltigen Geschäftserfolg? Wenn ja, wie komme ich dorthin? Eine mögliche Antwort ist das „Agile Product Operating Model“, ein agiles Rahmenwerk für die Produktentwicklung.
Geprägt wurde der Begriff unter anderem von Marty Cagan in seinem Buch „Transformed“. Auch Dave West, CEO von Scrum.org, hat das Thema aufgegriffen. Mein Fazit: Hier bewegen wir uns in die richtige Richtung, es gibt aber auch einen großen Elefanten, über den niemand spricht (Tipp: Es hat etwas mit Silos zu tun).
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Agile Product Operating Model
Das Agile Product Operating Model ist ein Rahmenwerk, das darauf abzielt, agile Prinzipien und Praktiken in die Produktentwicklung und Betriebsprozesse eines Unternehmens zu integrieren. Mit anderen Worten: Der Erfolg der agilen Entwicklung, der anfangs auf die Softwareentwicklung begrenzt war, soll auch für den Betrieb realisiert werden, auch bei der Entwicklung von Nicht-Software-Produkten.
Merkmale vom Agile Product Operating Model sind:
- Kundenorientierung: Fokussierung auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden, um Produkte zu entwickeln, die einen hohen Mehrwert bieten.
- Iterative Entwicklung: Produkte werden in kurzen, wiederholbaren Zyklen (Sprints) entwickelt, was eine schnelle Anpassung an Veränderungen ermöglicht.
- Interdisziplinäre Teams: Teams bestehen aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fachkenntnissen, die eng zusammenarbeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
- Transparenz und Kommunikation: Offene Kommunikation und transparente Prozesse, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten auf dem gleichen Stand sind und effektiv zusammenarbeiten können.
- Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Fähigkeit, schnell auf Veränderungen im Markt oder in den Kundenanforderungen zu reagieren und die Produktentwicklung entsprechend anzupassen.
Klingt ja gut, aber…
Das klingt im ersten Moment gut, aber auch nicht wirklich revolutionär. Was hier fehlt sind die Gründe, warum wir nicht längst so entwickeln. Konkret:
- Traditionelle Arbeitsabläufe ermöglichen bestenfalls lange Iterationen. Von einem 2-Tage-Zyklus, wie bei den SpaceX Rapor-Engines, sind die meisten Teams weit entfernt
- Bestehende Kultur macht die Umstrukturierung in interdisziplinäre Teams fast unmöglich.
- Schlechte Werkzeuge sind häufig eine wichtige Hürde für Transparenz und Kommunikation (wobei hier Kultur auch eine wichtige Rolle spielt). Ich habe viele Teams erlebt, wo der gute Wille da war, die IT jedoch die erforderliche Transparenz unmöglich macht, bzw. für erhebliche Reibungsverluste sorgt.
- Mechanik, Elektronik und Software müssen differenziert behandelt werden. Leider werden diese drei Domänen oft über einen Kamm geschert. Oder es werden, wie aktuell im Automotive-Umfeld, Domänen ignoriert. Wenn man den OEMs glaubt, dann spielen beim softwaredefinierten Fahrzeug die Mechanik und Elektronik fast keine Rolle mehr.
Hilfe bei der Umsetzung
Das Buch Transformed von Marty Cagan widmet sich genau diesem Thema in drei Schritten:
- Zunächst vermittelt das Buch ein tiefes Verständnis des Product Operating Model und was es bedeutet, so zu arbeiten.
- Mit Hilfe von Fallstudien erfolgreicher Transformationen zeigt der Autor, dass es zwar schwierig, aber durchaus möglich ist, ein Unternehmen auf das Product Operating Model umzustellen.
- Zuletzt gibt das Buch konkrete Hilfestellung zur Umsetzung, um bestehende Organisationen nachhalting zu transformieren.
Diese Rezension von Stefan Wolpers geht etwas tiefer ins Detail.
Marty Cagan lässt das Wort Agilität aus, auch wenn der Ansatz eindeutig agil ist. Dave West, CEO von Scrum.org, spricht explizit von Agile Product Operating Model in diesem Interview.
Silos: Der Elefant im Raum, über den niemand spricht
Ganz klar: Ohne die entsprechende Kultur, Mindset und Menschen ist agile Produktentwicklung nicht möglich. Doch das Thema Werkzeuge und Datentransparenz wird häufig nur am Rande angesprochen. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Der Erfolg von agiler Softwareentwicklung ist zum Teil auf die Verfügbarkeit von günstigen Werkzeugen zurückzuführen, die Transparenz über die gesamte Entwicklungskette ermöglichen, von Anforderung zu Architektur, Code, Tests, Deployment, etc.
In der (Hardware-) Produktentwicklung haben wir zur Zeit viele kaum zu überbrückende Brüche: Zwischen Anforderungen, (CAD-) Design, Systemmodell, Tests, Elektronik und vielem mehr. Unternehmen wie Flow Engineering versuchen, dieses Problem zu lösen.
Fazit
Das Agile Product Operating Model ist ein Framework, das die Transformation zur agilen Produktentwicklung verspricht. Es hat das Potential, eine skalierbare Roadmap für bereitzustellen. Ob dieses, oder ein anderes Framework sich durchsetzen wird, wird die Zeit zeigen. Vielversprechend ist die Tatsache, dass es ein erfolgreiches Buch zum Thema gibt und dass Dave West von scrum.org das Thema aufgegriffen hat.
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